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  Indien: Patenbesuch 2007



HOPE Patin berichtet über ihren Besuch im DOVE-Kinderheim

Besuch im DOVE Kinderheim August 2007

Im August 2007 machte ich eine vierwöchige Reise durch Nordindien, Südindien und Goa. Dabei besuchte ich unter anderem auch das DOVE-Kinderheim in Tamil Nadu, wo meine Patentochter Malar Selvi lebt, die ich über HOPE seit August 2005 unterstütze.

Auf dem Weg von Kanyakumari zum Kinderheim, konnte ich deutlich merken, wie sehr sich die Umgebung verändert, sobald man die touristischen Pfade verlässt.
Die Landschaft wird karger, die Erde wirkt staubiger, die üppigen Pflanzen weichen einer Art Gestrüpp. Hatten bisher alle Orte eine Art Infrastruktur mit Geschäften und Marktständen, so bestehen die Dörfer hier aus nichts als ein paar Behausungen und einer öffentlichen Wasserstelle.
Mein Fahrer hatte große Mühe, das Heim zu finden. Es liegt mitten auf dem Lande wo die Straßen keinerlei Beschilderung mehr haben. Mit Hilfe einiger Telefonate und durch Auskünfte der Bevölkerung klappte es dann aber doch. Plötzlich leuchtete uns das Schild "HOPE Germany" entgegen.

Es war ein bewegender Augenblick. Die Kinder, die verstreut im Garten gespielt hatten, klatschen Applaus beim Anblick unseres Autos, und als ich ausstieg, war bereits ein ganzer Pulk zusammengelaufen.

Ich wurde von Sir Rex und seiner Frau schon erwartet. Auch Selvi spitzte neugierig aber auch etwas skeptisch aus dem Türrahmen. Im Büro begrüßten wir uns erst einmal und sprachen über meine Tagespläne. Natürlich wollte ich, ohne Pause zum Ausruhen, sofort die Kinder treffen.

Als ich Selvi damals als Patenkind übernommen hatte, wirkte sie wie ein kleines armseliges Mäuschen, das sich am liebsten irgendwo verkriechen würde. Natürlich hatte ich durch die Jahresberichte und Fotos schon bemerkt, dass sie sich verändert hatte. Aber als ich ihr dann gegenüberstand, war ich von ihrem strahlenden Lächeln und ihrer glücklichen Ausstrahlung dennoch überrascht.

Ich hatte ihr einige kleine Geschenke mitgebracht, die wir zuerst zusammen anschauten. Danach wurden alle Kinder einzeln hereingerufen und Selvi half mir jedem Kind einen Kugelschreiber und eine Süßigkeit zu schenken. Das war eine hervorragende Gelegenheit für mich, Einzelfotos von den Kindern zu machen.

Währendessen verfolgten die Kinder in der Tür zum Büro gespannt das Geschehen und warteten darauf, endlich richtig Kontakt zu dem ungewohnten Gast aufnehmen zu können.

Ab dem Zeitpunkt, als ich dann aus dem Büro heraustrat, bis zu dem Moment, als ich ins Auto stieg, war ich eigentlich ununterbrochen umringt von einer Schar fröhlicher und wissbegieriger Kinder. Sie hatten die Regie sofort übernommen. Für mich lief das ganze Geschehen nun wie ein wunderbarer Traum ab, in dem ich nichts anders zu tun hatte als glücklich zu sein. Und das war ich!

Die Kamera hatte ich längst schon an meinen Fahrer abgegeben, der völlig in seinem Auftrag aufging und Hunderte von Erinnerungsfotos schoss.

Noch heute bin ich beim Anblick dieser Bilder immer wieder äußerst bewegt und gerührt. Und schmunzeln muss ich auch sehr. Auf den meisten sieht man einen blonden Frauenkopf mit einem breiten Grinsen, umringt von unzähligen schwarzhaarigen Kinderköpfen mit strahlenden Augen. Die Fotos sind es auch, die mir helfen, diesen Tag zu rekonstruieren und die Stimmung im Heim zu beschreiben.

Vormittags hielten wir uns hauptsächlich im Garten auf. Ich wurde hierhin geführt und dorthin, musste mich setzen und aufstehen, abwechselnd wurden mir Getränke, Obst und Blüten gereicht, mir wurde dies und das gezeigt und die Kinder ließen mich dabei jedes Mal die tamilischen Wörter wiederholen. Leider habe ich wenig Talent und mein Gehirn war auch nicht auf Speichern programmiert, so dass ich mir keines davon merken konnte.

Alle Kinder versuchten mit mir zu sprechen, nannten den Namen ihres Paten und fragten, ob ich ihn kenne. Leider musste ich sie in den meisten Fällen enttäuschen, aber ich versicherte ihnen stets, dass ich mir ganz sicher bin, dass ihre Paten sie sehr lieben. Ebenso oft wurde ich um einen German kiss gebeten, ein Küsschen auf die Wange, das wohl eine Patin bei einem früheren Besuch eingeführt hatte. So verteilte ich voller Begeisterung an diesem Tag Hunderte von Küssen.
Der Garten des Kinderheimes erinnert wirklich ein wenig an ein kleines Paradies. Mitten in der Einöde gedeihen hier die unterschiedlichsten Pflanzen und es gibt genug Platz für die Kinder, um ihre Freiheit auszuleben.
Die Jungen turnten und kletterten wie wild in den Bäumen herum und hatten einen riesigen Spaß sich gegenseitig an dem Wasserhahn nass zu spritzen. Mit provisorischen Ausrüstungen spielten sie Cricket und eine Reihe weiterer Spiele. Die Mädchen schaukelten mit in den Bäumen befestigten Seilen oder saßen in Gruppen im Schatten zusammen und ruhten, ratschten oder lernten.

Nach einem super leckeren Mittagessen wurde beschlossen, dass es besser wäre, uns wegen der Wärme im Gebäude aufzuhalten. Auch hier wurden die Kinder nicht müde, sich mit mir zu beschäftigen. Wir verglichen unsere Haare, unsere Hautfarben, unsere Kleidung… . Meistens fühlte ich mindestens acht Kinderhände auf meinen Armen und Beinen und irgendwer streichelte auch immer meinen Kopf.
Nebenbei schauten wir Fotos aus Deutschland an, die allesamt stets mit einem "super" kommentiert wurden. Einige Kinder sangen oder tanzten etwas vor und ich zeigte ihnen einige einfache Papierfaltarbeiten.

Selvi war der Trubel oft zu viel und sie verzog sich etwas in den Hintergrund. Das tat mir an diesem Tag sehr Leid, bei der Durchsicht meiner Fotos stellte ich aber fest, dass sie das Geschehen aus dem Hintergrund durchaus amüsiert und auch etwas stolz verfolgte.

Irgendwann kam jemand auf die Idee, mich in einen Sari zu stecken. Obwohl ich jetzt wirklich nicht richtig dick bin, suchte man im ganzen Heim vergebens nach einer passenden Saribluse. Zuletzt beschloss man, mich dann doch einfach in eine viel zu kleine Bluse zu quetschen. Den Kindern gefiel ich im Sari, aber nach einigen Fotos ging mir dann doch die Luft aus und ich war froh, mich wieder zurückwandeln zu dürfen.

Irgendwann war es dann an der Zeit Abschied zu nehmen, da die Straßen in Indien nachts nur schwer zu befahren sind. Wir verabschiedeten uns herzlich und ich hatte das Gefühl gute Freunde verlassen zu müssen. Weil ich Selvi in einem Brief mal gefragt hatte, wie Zuckerrohr schmeckt, bekam ich noch zwei riesige Stangen davon zum Abschied geschenkt. Schon im Weggehen fiel den Kindern ein, dass man sich in Deutschland ja mit Händeschütteln verabschiedet, und so schüttelte ich nochmals Dutzende Kinderhände. Noch als wir mit dem Auto abfuhren wurde gewunken und an die Scheiben geklopft.

Bis dahin war ich die ganze Zeit sehr frisch und munter gewesen. Auf der Rückfahrt merkte ich aber dann, wie erschöpft ich plötzlich war. Ich hatte an diesem Tag so viele tolle Menschen kennen gelernt und neue Eindrücke gesammelt. Das hatte mich doch stärker aufgewühlt, als ich gedacht hatte.

Mein Fahrer schien diese Stimmung zu spüren und so hielten wir auf halber Strecke an und beobachteten schweigend den Sonnenuntergang während ich meine Gedanken ordnete.

Im Rückblick war dieser Tag ein unvergessliches Erlebnis. Ich hatte die Gelegenheit meine Patentochter Selvi kennen zulernen, erlebte, wie glücklich und geborgen die Kinder im DOVE-Heim aufwachsen und konnte mich davon überzeugen, dass mit der Hilfe von HOPE vor Ort gute Arbeit geleistet wird und den Kindern eine Chance auf eine gute Zukunft gegeben wird.

 
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